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Entwicklung und Geschichte des I. Weltkrieges
I. Europäische Politik vor dem I. Weltkrieg
18. Januar 1871. Im Spiegelsaal von Versailles haben sich die Könige, Bundesfürsten, Prinzen, Minister und Militärs aller deutschen Staaten versammelt. König Ludwig II. von Bayern trägt dem preußischen König, Wilhelm den I., im Namen der deutschen Fürsten seine Proklamation zum „deutschen Kaiser“ vor. Links vor dem Podium steht der Mann, der dies alles durch seine geschickte und oft riskante Politik möglich gemacht hat: Fürst Otto von Bismarck, ein Freund guten Essens und schneller Kriege. Die Prestigepolitik Napoleons des III. und die französische Furcht vor einer preußisch-deutschen Hegemonie, sowie ein diplomatisches Geplänkel zwischen Preußen und Frankreich anlässlich der Möglichkeit der Thronfolge eines deutschen Prinzen auf den vakanten spanischen Thron, führten zu der Bismarck willkommenen französischen Kriegserklärung an Preußen am 19. Juli 1870.
Dies führte aber zur Überraschung der Franzosen nicht zum Preußisch-Französischen Krieg, sondern zum Deutsch-Französischen Krieg, da die süddeutschen Staaten sich am Krieg beteiligten.
Der preußisch-deutsche Aufmarsch und die anschließende Offensive vollziehen sich Dank der überlegenen Planung des Chefs des preußischen Generalstabes, Helmuth von Moltke, mit großer Schnelligkeit. Bereits am 1. September 1870 muss die Masse der französischen Armee unter Mac Mahon mit 104.000 Mann bei Sedan kapitulieren. Napoleon der III. gerät hierbei in Gefangenschaft.
Damit ist der Krieg gegen Frankreich praktisch gewonnen, wenn auch noch nicht beendet. Am 4. September 1870 wird in Paris die 3. Republik ausgerufen und ein Komitee der nationalen Verteidigung gebildet, jedoch am 10. Mai 1871 muss Frankreich nach Vorverhandlungen in Versailles den Frieden von Frankfurt am Main schließen.
Frankreich verliert das Elsass und Lothringen, muss 5 Milliarden Franc Kriegsentschädigung zahlen, sowie hinnehmen, dass Teile Ostfrankreichs bis zur endgültigen Zahlung der Reparationen von deutschen Truppen besetzt bleiben. Die Schmach der Niederlage und die Bedingungen des Friedensvertrages sorgten für bleibende Wunden und tief sitzende Rachegefühle in Frankreich.
Durch die Gründung des Deutschen Reiches, eines Bundesstaates unter preußischer Hegemonie, entsteht in Europa neben Frankreich, Großbritannien, Russland und Österreich-Ungarn eine neue Großmacht, die das Gleichgewicht der Kräfte in Europa weiter kompliziert.
Bismarck blieb bis 1890 Reichskanzler. Zu diesem Zeitpunkt war längst das Zeitalter der Industrialisierung und des Imperialismus, sprich des Rennens der Großmächte nach Kolonien ausgebrochen. Während dieser ganzen Zeit blieb Bismarck der Macher der deutschen Innen- und Außenpolitik. Sein Streben ging nicht nach Kolonien, sondern er wollte vor allem die Industrialisierung Deutschlands vorantreiben, und das bewahren, was er 1871 geschaffen hatte. Solange Wilhelm der I. Kaiser war gelang ihm das ganz gut. Durch geschickte Diplomatie und geheime Verträge gelang es ihm, eine Isolierung Deutschlands und eine Umklammerung durch seine potentiellen Feinde zu verhindern.
Bismarck entgegnete der zu erwartenden Revanchepolitik Frankreichs mi dem Versuch der Isolierung Frankreichs sowie Förderung der Republik und der französischen Kolonialpolitik. 1872 schloss Deutschland mit Österreich-Ungarn und Russland den Drei-Kaiser-Bund zur „Abwehr eventueller Gefahren“.
1875 kommt es wegen französischer Aufrüstung zur europäischen Krise. Russland und Großbritannien unternehmen in Berlin Schritte gegen angebliche deutsche Präventivkriegsabsichten. Dagegen kommt es zu einer Annäherung zu Österreich-Ungarn, das sich deutsche Unterstützung in seiner Balkanpolitik erhofft. Aufstände türkischer Vasallen 1875/76 auf dem Balkan verschärfen sich zum Krieg zwischen der Türkei und Serbien. Russland beginnt zur Befreiung der Balkanchristen den russisch-türkischen Krieg 1877-1878.
Der Friede von San-Stefano im März 1878 bringt eine Vergrößerung der Balkanstaaten auf Kosten der europäischen Türkei. England und Österreich protestieren gegen den zunehmenden russischen Einfluss auf dem Balkan Bismarck vermittelt als „ehrlicher Makler“ im „Berliner Kongress“ im Juni/Juli 1878:
Rumänien, Serbien und Montenegro werden selbstständig, Bulgarien bleibt als selbstständiges Fürstentum der Türkei tributpflichtig, verliert aber Mazedonien an die Türkei und Ostrumelien, das autonom wird. Russland erhält Bessarabien und Teile Armeniens, England erhält Zypern und Österreich erhält das Recht zur Verwaltung Bosniens und Herzegowinas. Trotz dieser Regelung hatte der Kongress nicht die Probleme auf dem Balkan lösen können. Er erbrachte des Weiteren eine deutsch-russische Entfremdung, und verschärfte den Gegensatz zwischen Österreich und Russland auf dem Balkan.
1879 schließen Deutschland und Österreich den Zweibund, nach russischem Einlenken 1881 erfolgt eine Erneuerung des Drei-Kaiser-Bundes, welcher den Bündnispartnern die Neutralität der anderen zusagt für den Fall, das eine weitere Macht einen der Bündnispartner angreift. 1882 tritt Italien dem deutsch-österreichischen Zweibund bei, dadurch entsteht der Dreibund, dem 1883 auch noch Rumänien beitritt. Der Dreibund-Pakt sagte im Falle des Angriffs auf einen der Partner Neutralität der anderen zu, bei einem Angriff durch 2 Mächte aktive Hilfe durch die anderen.
1887 schließt Bismarck mit Russland außerdem noch den „Rückversicherungsvertrag“ , indem beide Staaten Neutralität zusagen für den Fall das Deutschland von Frankreich und Russland von Österreich angegriffen würde.
Nach dem Tod Kaiser Wilhelms des I. bestieg im März 1888 Kaiser Friedrich der III. den Thron, starb jedoch bereits im Juni desselben Jahres. Daraufhin bestieg nun Prinz Wilhelm als Kaiser Wilhelm der II. den deutschen Thron. Damit nahm die deutsche Außenpolitik eine entscheidende Wendung.
Im Gegensatz zu Bismarck, der in außenpolitischen Dingen ein vorsichtiger Taktiker war, und eine Isolierung Deutschlands vermeiden wollte, war Wilhelm der II. impulsiv und von imperialen Ehrgeiz durchdrungen. Er und Bismarck hatten kein sonderlich gutes Verhältnis zueinander. Aufgrund vor allem innenpolitischer Differenzen zwischen dem jungen Kaiser und dem alten Kanzler, und der Tatsache, dass Wilhelm selbst das Regiment ausüben wollte, kam es im März 1890 zur Entlassung Bismarcks.
Obwohl Bismarck, wie bereits erwähnt , in der Frage der Gewinnung von Kolonien und Handelsposten eher zögerlich agierte, um Deutschland nicht in den Konflikt mit den anderen Großmächten geraten zu lassen, trieben die Gründung des Kolonialvereins 1882 und der Gesellschaft für deutsche Kolonisation 1884 den Erwerb von überseeischen Gebieten voran: Auf der Kongo-Konferenz der Großmächte 1884/1885 in Berlin entschließt sich Bismarck, „die Flagge dem Handel folgen zu lassen“. Deutsche Schutzgebiete werden bis 1885 Kamerun, Togo, Deutsch-Ostafrika sowie die Marshall-Inseln, das Bismarck-Archipel, die Marianen sowie Teile Neuguineas und der Salomonen, des Weiteren gibt es deutsche Handelsposten in Tsingtao und Kiautschou.
Nach Bismarcks Entlassung wird der weniger selbstständige Leo von Caprivi von 1890 bis 1894 Reichskanzler. Dadurch kann Wilhelm der II. größeren Einfluss auf die Reichspolitik gewinnen. Die Maxime „Weltpolitik als Aufgabe, Weltmacht als Ziel, Flotte als Instrument“ wird geräuschvoll vertreten vom 1891 gegründeten „Alldeutschen Verband“. In Überschätzung der eigenen Kraft beginnt eine ziellos schwankende Außenpolitik.
Als erstes wird 1890 entgegen russischen Wünschen der „Rückversicherungsvertrag“ gekündigt. Infolge dessen bahnt sich eine französisch-russische Verständigung an, die 1894 zu einem französisch-russischen Bündnisvertrag, dem so genannten Zweibund führt. Gleichzeitig kommt es zu einem Abkühlung der deutsch-britischen Beziehungen aufgrund der scharfen Handelskonkurrenz und eines Glückwunschtelegramms des deutschen Kaisers an den Präsidenten der Burenrepublik Transvaal in Südafrika, da diese einem britischen Versuch, diese Burenrepublik durch Anzettelung einer Revolution zu beseitigen, widerstanden hatte.
Im Burenkrieg 1898-1901 wurden die Buren letztendlich dann doch von den Briten unterworfen. 1898 kommt es außerdem zu einer Krise zwischen Frankreich und Großbritannien, der so genannten Faschoda-Krise. Eine britische und eine französische Expedition , beide mit dem Auftrag, den Sudan dem eigenen Kolonialreich einzuverleiben, stießen in der Nähe des Tschad-Sees aufeinander. Zuerst wollten weder Frankreich noch Großbritannien nachgeben, doch als Großbritannien schließlich mit kriegerischen Maßnahmen drohte, gaben die Franzosen nach und zogen ihre Expedition ab. Zwar hatte Großbritannien sich durchgesetzt, doch die Faschoda-Krise und die britische Burenpolitik sorgten für antibritische Stimmung in Europa, so dass es Großbritannien für ratsam hielt, seine isolationistische Politik aufzugeben, und nach Verbündeten Ausschau zu halten.
Die Beziehungen zu Frankreich und Russland waren schlecht, dennoch blieben Bündnisgespräche zwischen Deutschland und Großbritannien 1898 ohne Ergebnis.
Im Rahmen des deutschen Weltmachtstrebens und auf Initiative des Admirals Freiherr von Tirpitz sowie nationaler Verbände beschloss Deutschland im Jahre 1898 ein großangelegtes Flottenbauprogramm. Die Flotte sollte stark genug sein um die überseeischen Interessen Deutschlands zu schützen und für jede andere Flotte ein Risiko darzustellen. Mehr als jedes andere Land war Großbritannien auf seinen Überseehandel angewiesen. Eine Flotte die stark genug war , Großbritanniens überseeische Verbindungen abzuschneiden, könnte die Insel aushungern.
Das britische Parlament einigte sich darauf, dass die britische Flotte jederzeit mindestens so stark sein müsse wie die beiden nächst großen Flotten zusammen. So legte auch Großbritannien ein großes Flottenbauprogramm auf Stapel um seine Flotte zu vergrößern. Infolge dessen kam es zu einem scharfen Wettrüsten zur See zwischen Deutschland und Großbritannien, dass die politischen Beziehungen der beiden Länder von Jahr zu Jahr verschärfte.
Inzwischen kam es zu einer Annäherung zwischen Großbritannien und Frankreich in kolonialen Fragen. Im Jahr 1904 anerkannten die Franzosen den britischen Anspruch auf Ägypten, während die Engländer Marokko als französisches Einflussgebiet anerkannten. Beide Nationen vereinbarten diese Absprache auch gegen den Protest anderer Nationen durchzusetzen. Diese Vereinbarung war kein Bündnisvertrag, da keines der beiden Länder sich zur Hilfeleistung im Kriegsfall verpflichtete. Diese Vereinbarung zwischen Frankreich und Großbritannien erhielt den Namen „Entente Cordiale“, was soviel wie „herzliches Einvernehmen“ bedeutet.
Nach der Aussöhnung mit Großbritannien versuchte Frankreich eine Annäherung zwischen Russland und Großbritannien herbeizuführen.
Russland hatte seine Aufmerksamkeit eine Weile seiner Ostasienpolitik zugewandt, wo es seinen Einfluss vergrößern wollte. Um Liautung mit dem Hafen Port Arthur kam es zu einem Interessenkonflikt mit Japan, der schließlich im russisch-japanischen Krieg 1904 mündete. Nach der russischen Niederlage in der Seeschlacht von Tsushima und der Landschlacht von Mukden gab Russland klein bei und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der europäischen Politik zu.
Nach der Niederlage gegen Japan war Russland und angesichts des deutsch-britischen Flottenrüstens England zu einem Ausgleich beider Länder bereit.
1907 wurde Persien in einen britischen und einen russischen Einflussbereich aufgeteilt, und obwohl England den Russen in ihrer Balkanpolitik nicht entgegenkam, gestalteten sich die Beziehungen zwischen Russland, Frankreich und Großbritannien zunehmend freundlicher, und 1908 kam es zur Bildung der Triple-Entente.
1905 waren die Deutschen durch die französisch-britische Annäherung bereits beunruhigt. Um zu prüfen, wie weit die britische Unterstützung Frankreichs gehen würde, wählten sie Marokko als Prüfstein. Im März 1905 kam ein deutsches Kriegsschiff in den Hafen von Tanger. Kaiser Wilhelm ging an Land und hielt eine Rede, in der er sich für die Unabhängigkeit Marokkos aussprach. Dies war der Anlass für die erste Marokkokrise. Ziel der Deutschen war die Störung des französisch-britischen Einvernehmens. Darum ersuchten sie um eine Konferenz der Großmächte zur Klärung der Marokkofrage. Diese Konferenz fand 1906 im spanischen Algeciras statt. Aber nur Österreich-Ungarn unterstützte die deutsche Position. Statt die Entente zu stören, hatten die Deutschen sie nur stärker gemacht.
1911 kam es zur zweiten Marokkokrise. Entgegen den Vereinbarungen von Algeciras dehnten die Franzosen ihre Herrschaft in Marokko aus. Daraufhin schickte Deutschland das Kanonenboot „Panther“ nach Agadir, angeblich um deutsche Handelsinteressen zu schützen. In Wirklichkeit war diese „Kanonenbootdiplomatie“ jedoch eine Drohung gegen Frankreich. Die Entente stand jedoch wiederum zusammen und Frankreich erhielt in Marokko freie Hand,
Langsam schälten sich die Koalitionen deutlich heraus: auf der einen Seite der Dreibund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, auf der anderen Seite die Triple-Entene zwischen Russland, Frankreich und Großbritannien.
II. Krisenherd Balkan
In der ganzen Zwischenzeit gärte es auf dem Balkan. Die verschiedenen slawischen Balkanvölker erstrebten ihre Freiheit von türkischer und österreichischer Herrschaft. Darin unterstützt wurde sie von Russland , das sich als Schutzmacht aller Slawen sah. Obwohl das Osmanische Reich immer schwächer wurde, regierte es immer noch in einer Reihe von Balkanländern. Südlich des türkisch beherrschten Streifens lag das unabhängige Griechenland, nördlich Bulgarien das Selbstverwaltung besaß, aber der Türkei noch immer tributpflichtig war, sowie das unabhängige Rumänien. Serbien schloss sich westlich an Bulgarien an. Umstritten war das benachbarte Bosnien. Dem Namen nach gehörte es zur Türkei, war aber 1878 von Österreich-Ungarn besetzt worden. Nördlich von Bosnien waren die Kroaten und Slowenen unter österreichischer Herrschaft. Wortführer der slawischen Unabhängigkeitsbewegung waren die serbischen Nationalisten.
1908 kam es zu einem Umsturz in der Türkei. Türkische Reformer, die so genannten „Jungtürken“, zwangen den türkischen Sultan Abdul-Hamid seine despotische Herrschaft aufzugeben und ein Parlament einzuberufen. Ziel der „Jungtürken“ war es den Verfall des Osmanischen Reiches aufzuhalten. Eine Stärkung des Osmanischen Reiches war jedoch nicht im Sinne Russlands, das den Besitz der Dardanellen anstrebte, um Zugang zum Mittelmeer zu erhalten, und auch nicht im Sinne Österreichs, das Bosnien endgültig annektieren wollte.
Deshalb regten die beiden Länder eine Konferenz der Großmächte an, in der Österreich die russischen und Russland die österreichischen Ansprüche unterstützen wollte. Jedoch bevor die Konferenz zusammentreten konnte, annektierte Österreich bereits Bosnien. Im selben Jahr erreichte Bulgarien seine volle Unabhängigkeit, und die Insel Kreta ging von türkischen in griechischen Besitz. Da Frankreich und England die russischen Ansprüche auf dem Balkan nicht unterstützten, ging Russland zu seiner großen Verärgerung leer aus. Die Konferenz wurde nie einberufen.
Die erste Balkankrise ging ohne Krieg vorbei, hinterließ aber viel Bitterkeit.
Die Russen waren erbittert über ihren Fehlschlag, die Türkei über den Verlust Bosniens, und Serbien über die Einverleibung Bosniens durch Österreich.
Der serbische Geheimbund „Narodna Odbrana“, meist „Schwarze Hand“ genannt, beginnt mit der Unterstützung von Teilen des serbischen Militärs mit Anschlägen auf hochgestellte Persönlichkeiten der K.u.K.-Monarchie.
1911 erklärt Italien, das Großmachtansprüche erhebt, der Türkei den Krieg und besetzt schnell Tripolis und die Inseln des Dodekanes. Ermutigt durch Russland kommt es im März 1912 zum Zusammenschluss von Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro zum 1. Balkanbund, dessen Zweck es ist , sich ebenfalls ein Stück vom türkischen Kuchen abzuschneiden. Im Oktober 1912 erklärt diese Koalition der Türkei den Krieg. In kurzer Zeit werden die Türken besiegt. Im Streit um die Beute kommt es nun aber zu Spannungen zwischen Serbien und Bulgarien. Im Juni 1913 kommt es zum zweiten Balkankrieg, in dem Bulgarien Serbien angreift. Die Intervention Griechenlands, Rumäniens, Montenegros und der Türkei zugunsten Serbiens macht die Verwirrung auf dem Balkan perfekt. Desweilen kommt es zu einer Abkühlung der rumänisch-österreichischen Beziehungen, da Österreich zugunsten Bulgariens einzugreifen droht, aber von Deutschland zurückgehalten wird. Im August 1913 kommt es zum Frieden von Bukarest: Bulgarien verliert Mazedonien an Griechenland und die Dobrudscha an Rumänien. Serbien ist enttäuscht, da es sich von den Kriegen einen Zugang zur Adria erhoffte, aber hierin besonders von Österreich-Ungarn behindert wurde.So war auch die zweite Balkankrise ohne einen allgemeinen europäuischen Krieg vorrüber gegangen. Die dritte Balkankrise ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Sie sollte Europa in den Krieg stürzen.
III. Die Juli-Krise
Am 28. Juni 1914 ist der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, mit seiner Frau, Gräfin Sophie, zu Besuch in der bosnischen Stadt Sarajevo. Zweck des Besuches ist die Besichtigung der für den Juli in Bosnien geplanten großen Manöver der K.u.K.-Streitkräfte. Dies wissen auch die Serben. Durch den Geheimbund „Schwarze Hand“ ergehen Mordaufrufe an alle Serben. Ein junger bosnischer Serbe, Gavrilo Princip, entschließt sich , wie andere Serben auch zur Tat. Er hat von einem Oberst der serbischen Armee eine Pistole erhalten. Zwar hat die serbische Regierung nicht die Anweisung zu dem Anschlag gegeben, jedoch wissen viele Mitglieder der serbischen Regierung und des Militärs von dem geplanten Anschlag.
In der heißen Sonne des 28.Juni bewegen sich 4 Wagen durch die Straßen der festlich geschmückten Stadt. Aus dem zweiten Wagen winken der Erzherzog und seine Gemahlin der Menge von Zeit zu Zeit huldvoll zu, während sich die Fahrzeuge in Richtung Rathaus begeben. Da wird nahe der Cumuria-Brücke eine Bombe geworfen, die den Erzherzog zwar verfehlt, aber einige Leute aus seinem Gefolge verletzt. Am Rathaus angekommen verleiht der Erzherzog gegenüber dem Bürgermeister seiner Empörung Ausdruck. Danach entschließt er sich trotz der Gefahr eines zweiten Attentates zu einem Besuch der Verletzten im Krankenhaus.
Als die Wagen zum Wenden kurz anhalten müssen, da sie sich auf dem Weg zu Krankenhaus verfahren haben, fallen 2 Schüsse, einer trifft den Erzherzog, der andere seine Frau. Kurze Zeit später sind beide tot.
Als Europa von dieser Nachricht erfährt, glaubt zunächst niemand, dass dies der Anlass zum europäischen Krieg sein könnte. Doch in der allgemein angespannten Lage, in einer Atmosphäre von Misstrauen und gebunden durch ihre jeweiligen Bündnisverpflichtungen, spitzt sich die Lage in Europa verhängnisvoll zu. Kein Staat will zur Erhaltung des Friedens auf seine nationalen Ziele verzichten.
- Österreich-Ungarn hält an der übernationalen Kaiseridee fest.
- Serbien versucht eine großserbisches Reich zu verwirklichen.
- Russland fürchtet einen erneuten Misserfolg seiner Balkanpolitik und steht vor der Alternative Krieg oder Revolution im Inneren.
- Großbritannien schwankt zwischen Neutralität und Parteinahme.
- Frankreich betrachtet seine Allianz mit Russland als Druckmittel gegen Deutschland.
- Deutschland steht zu dem Bündnis mit Österreich-Ungarn, um damit eine zunehmende politische Isolierung zu vermeiden. Der deutsche Generalstab drängt für den Fall, dass ein Krieg nicht vermieden werden kann, auf den Ausbruch 1914, da jetzt die Vorraussetzungen zur Niederwerfung Frankreichs noch günstig seien.
- Sowohl Frankreich wie Deutschland wirken nicht mäßigend auf die Politik ihrer beiden Bündnispartner Russland und Österreich-Ungarn ein.
So nehmen die Dinge ihren Lauf…
Am 6.7.1914 versichert Deutschland Österreich der unbedingten Bündnistreue. Vom 20.-23.7.1914 besuchen der französische Staatspräsident Poincare und Ministerpräsident Viviani St. Petersburg, und versichern ihrerseits Russland absolute Bündnistreue. Nach ihrer Abreise stellt Österreich am 23.7.1914 ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum an Serbien: Es fordert eine Bekämpfung der anti-österreichischen Umtriebe in Serbien unter österreichischer Beteiligung, und die Bestrafung der Schuldigen und Mitwisser des Attentates. Am 25.7. macht Serbien Vorbehalte bezüglich seiner Souveränitätsrechte und ordnet eine Teilmobilmachung an.
Am gleichen Tag erklärt Österreich-Ungarn die serbische Antwortnote für unbefriedigend und ordnet seinerseits eine Teilmobilmachung an. Am 25.7. beschließt Russland im Kronrat zu Krasnoje Selo Serbien zu unterstützen. Deutsch-Englische Vermittlungsversuche scheitern.
Am 28.7.1914 folgt die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien.
Am 29.7.1914 erfolgt die Teilmobilmachung Russlands. Einen Tag später erfolgt in Russland die Generalmobilmachung.
Der deutsche Generalstabschef, Helmuth von Moltke der jüngere, drängt seinen österreichischen Kollegen Franz-Conrad von Hötzendorf zur Generalmobilmachung und rät von Vermittlungsversuchen ab, die der deutsche Reichskanzler, Theodor von Bethmann-Hollweg, noch unternimmt - keine Zusammenarbeit zwischen deutscher politischer und militärischer Führung.
Am 31.7.1914 führt Österreich die Generalmobilmachung durch.
Deutschland verkündet den Zustand „drohender Kriegsgefahr“ und fordert in einem auf 12 Stunden befristeten Ultimatum die Einstellung der russischen Mobilmachung. In einem weiteren auf 18 Stunden befristeten Ultimatum an Frankreich fordert Deutschland von Frankreich eine Neutralitätserklärung für den Fall eines deutsch-russischen Krieges, Russland antwortet eine Einstellung der Mobilmachung sei aus technischen Gründen nicht möglich.
Darauf erfolgt am 1.8.1914 die deutsche Mobilmachung und Kriegserklärung an Russland. Frankreich antwortet in seiner Antwortnote dass es „gemäß seinem Interesse handeln werde“.
Daraufhin fordert Deutschland am 2.8. von der belgischen Regierung Durchmarschrecht, was abgelehnt wird, und erklärt am 3.8.1914 Frankreich den Krieg. Am nächsten Tag beginnt der Einmarsch deutscher Truppen in Belgien. Daraufhin stellt Großbritannien, das am 1.8. seine Flotte mobil gemacht hat und am 2.8. Frankreich den Schutz seiner Küste versprochen hat, Deutschland ein Ultimatum, in dem es den Rückzug der deutschen Truppen aus Belgien verlangt. Auf die deutsche Weigerung erklärt Großbritannien Deutschland am 5.8.1914 den Krieg. Es folgen die Kriegserklärungen Serbiens an Deutschland und Österreichs-Ungarns an Russland am 6.8., Frankreichs an Österreich-Ungarn am 11.8 und Großbritanniens an Österreich-Ungarn am 12.8.1914.
Am 23.8.1914 erklärt Japan, dass sich deutsche Kolonien aneignen will, Deutschland den Krieg.
Die Türkei erklärt am 3.8. nach Abschluss eines gegen Russland gerichteten Vertrages mit Deutschland ihre bewaffnete Neutralität. Durch die Beschießung russischer Schwarzmeerhäfen durch 2 formell in türkischem Besitz übergegangener deutscher Kreuzer folgen im Zeitraum vom 2.-5.11.1914 die russische, britische und französische Kriegserklärung an die Türkei.
Damit hat der europäische Krieg begonnen.
IV. Ausgangslage, Planung und Kräftevergleich
Im ersten Kriegsjahr stehen sich nun in Europa 2 Koalitionen gegenüber: auf der einen Seite die so genannten Mittelmächte, bestehend aus Deutschland, Österreich-Ungarn und später der Türkei, und die Entente, bestehend aus Russland, Frankreich, Großbritannien und seinem Commonwealth sowie Serbien und Belgien.
Damit ist die Entente den Mittelmächten von Anfang an zumindest nominell gewaltig überlegen: Die Staaten der Entente verfügen über eine Bevölkerung von mehr als 258 Millionen, und dies ohne Indien oder die afrikanischen Kolonien. Des Weiteren verfügen die Alliierten über eine viel größere Industriekapazität. Dazu kommt noch eine vielfach größere landwirtschaftliche Nutzfläche und große Vorkommen an strategischen Rohstoffen. Außerdem haben die Alliierten von Anfang an die Seeherrschaft, so dass auch die Hilfsquellen der übrigen Welt und vor allem der USA ihnen zur Verfügung stehen.
Demgegenüber sind die Staaten der Mittelmächte nur von 118 Millionen Menschen bevölkert. Deutschland verfügt als einziges Land der Mittelmächte über ein großes Industriepotential, das jedoch durch Rohstoffknappheit und die durch den zunehmenden Fronteinsatz bedingte Verknappung von Fachkräften zunehmend gehemmt wird. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass die britische Flotte von Anfang an eine Blockade beginnt, durch die Deutschland von der Masse seiner Zufuhren abgeschnitten wird ,und sich mehr und mehr von einer Hungersnot bedroht sieht.
Sowohl Deutschland als auch die Westalliierten haben einen sehr labilen Bündnispartner: zum einen Österreich-Ungarn aufgrund seines hohen Anteils an slawischer Bevölkerung, die zum Teil unverhohlen mit den Russen sympathisiert , und zum anderen Russland, das industriell unterentwickelt ist und von inneren Unruhen erschüttert wird.
Die großen potentiellen Vorteile der Alliierten kommen jedoch nur nach und nach zum Tragen. Der deutsche Generalstab hatte schon seit längerem die Möglichkeit eines 2 Frontenkrieges ins Auge gefasst. Es war offensichtlich, dass ein langer Krieg auf 2 Fronten unbedingt verhindert werden musste. Darum musste ein solcher Krieg von Anfang an mit einer Entscheidung suchenden Offensive beginnen, die auf einem der beiden Kriegsschauplätze ein schnelles Ende machte. Russland kam aufgrund seiner weiten Räume, der schlechten Infrastruktur und der Tatsache, dass man die Masse des russischen Heeres nicht von Anfang an fassen konnte, hierfür nicht in Frage. Darum hatte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen , Chef des Generalstabes von 1891 bis 1905, den nach ihm benannten Schlieffenplan entworfen. Dieser Plan sah vor, dass bei Kriegsbeginn die Masse des deutschen Heeres im Westen aufmarschieren sollte, während im Osten nur schwache Deckungskräfte belassen wurden. Während der linke Flügel des deutschen Westheeres mit relativ geringen Kräften sich im Elsass und Lothringen defensiv verhalten würde, sollte der starke rechte Flügel unter Umgehung der französischen Festungen in Belgien einmarschieren, von Norden nach Frankreich einfallen, Paris umfassen und das französische Heer gegen den deutschen linken Flügel und die Schweizer Grenze drücken und damit das französische Heer in einem gigantischen Cannae vernichten. Hierfür waren 6 Wochen vorgesehen. Man ging davon aus, dass die deutschen Kräfte sich im Osten so lange halten könnten, da man hoffte, das die Russen erst nach diesem Zeitfenster von 6 Wochen mit nennenswerten Kräften aufmarschieren könnten. Auch die Franzosen haben im Westen offensive Absichten. Ihr Plan No. 17 sieht die rasche Rückgewinnung von Elsass-Lothringen gleich bei Kriegsbeginn vor.
V. Die Westfront 1914
Im Morgengrauen des 4. August beginnt der deutsche Überfall auf Belgien. Bis zum 7. August gelingt es den deutschen Truppen Lüttich zu besetzen. Am 14.August beginnen 2 französische Armeen mit einer Offensive gegen Lothringen auf die Saar zu. Am 17. August hat der deutsche Schwenkungsflügel seinen Aufmarsch abgeschlossen. Einen Tag später schließt sich die British Expeditionary Force (BEF) mit 4 Infanteriedivisionen (4 I.D.) und 1 Kavalleriedivision (1 K.D.) dem französischen linken Flügel bei Maubeuge an. Am 18. August beginnt die deutsche Großoffensive durch Belgien hindurch.
Am 20. August rücken die deutschen Truppen bereits in Brüssel ein, jedoch gelingt der Masse des belgischen Heeres der Rückzug in die Festung Antwerpen, wo dadurch bis Anfang Oktober mehrere deutsche Divisionen gebunden werden. Im Westen stehen nun 78 deutsche Divisionen gegen 72 französische, 6 belgische und 5 britische Divisionen.
Am 20. August befiehlt General Joffre, der französische Oberbefehlshaber, der 3. und 4. französischen Armee, den deutsche Schwenkungsflügel zwischen Diedenhofen und Dinant zu durchbrechen. Darauf kommt es 5 Tage lang zu heftigen Grenzschlachten zwischen deutschen und französischen Truppen. Beide Seiten erleiden schwere Verluste. Noch kommt der deutsche Schwenkungsflügel gut voran, jedoch mittlerweile haben die Franzosen die Gefahr der Umfassung erkannt und verlängern ihre Front nach Nordwesten. Durch den heftigen französische Widerstand muss der weit auseinander gezogene deutsche Schwenkungsflügel sich zusammen ziehen, und damit die Absicht fallen lassen, Paris westlich zu umfassen. Die 1.-3. deutsche Armee des rechten Flügels überqueren zwischen dem 3. und 4. September die Marne und stoßen östlich an Paris vorbei. Sie unterschätzen hierbei die Gefahr eines Gegenangriffs aus Richtung Paris. Des Weiteren beginnt der deutsche Vormarsch nun zu erlahmen. Die Abgabe von 2 Armeekorps an die Ostfront aufgrund einer russischen Offensive in Ostpreußen und die immer längeren Versorgungslinien sowie die Zurücklassung von Belagerungstruppen vor Antwerpen und Maubeuge haben den deutschen rechten Flügel seiner zahlenmäßigen Überlegenheit beraubt. Am 6. September treten starke alliierte Kräfte frontal und aus dem Raum Paris flankierend zum Gegenangriff an. Bis zum 12. September tobt an der Marne die bisher größte Schlacht der Weltgeschichte. Durch mangelhafte Koordination zwischen den deutschen Armeen entsteht am 8. September eine 40 km breite Lücke zwischen der 1. und 2. deutschen Armee, welche prompt von alliierter Luftaufklärung entdeckt wird. 18 alliierte Divisionen stoßen in diese Lücke, so dass die Deutschen sich bis zum 13. September bis hinter die Aisne zurückziehen müssen. Durch dieses „Wunder an der Marne“ ist der Schlieffenplan endgültig gescheitert. Am 13. und 14. September führen die Alliierten einen weiteren Angriff an der Aisne, der jedoch scheitert: die Deutschen haben sich inzwischen eingegraben.
Aufgrund des deutschen Misserfolges wird der bisherige Generalstabschef Helmuth von Moltke am 14. September durch Erich von Falkenhayn ersetzt.
Nun beginnt der „Wettlauf zum Meer“. Beide Seiten versuchen sich nördlich zu umfassen und drängen sich dadurch gegenseitig in Richtung Nordsee. Dieser Wettlauf endet dort auch, da beide Seiten nun keinen Raum zum Manövrieren haben. Deutsche und Alliierte graben sich nun ein, und dies ist der Beginn eines furchtbaren 4-jährigen Stellungskrieges. Die Generäle auf beiden Seiten haben die ungeheure Defensivkraft einer eingegrabenen, mit Maschinengewehren und Schnellfeuergeschützen ausgerüsteten Armee noch nicht begriffen. So versuchen beide Seiten die gegnerische Stellungsfront zu durchbrechen. Vom 20. Oktober bis 3. November greift Falkenhayn in Flandern an, um Calais und Dünkirchen zu nehmen. Die jungen deutschen Reservekorps erleiden hier verheerende Verluste. Am 10. November beginnt Falkenhayn mit einem Angriff auf Ypern, doch nach 8 Tagen muß er auch diesen Angriff nach schwersten Verlusten einstellen.
Eine Krise an der Ostfront zwingt die Deutschen nun mehrere Divisionen dorthin zu verlegen. So gehen die Deutschen im Westen zur Defensive über. General Joffre plant nun die Deutschen den Winter über durch takt. Angriffe zu zermürben, oder „anzuknabbern“, wie er sich ausdrückt.. Zwischen den 17. und 23. Dezember greifen die Alliierten bei Arras und in der Champagne erfolglos an. Ende Dezember kehrt Ruhe an der Westfront ein.
Die Ostfront
An der Ostfront gibt es 1914 zwei Hauptkriegsschauplätze: Ostpreußen und Galizien. In Ostpreußen ist bereits am 17. August Rennenkampfs russ. Njemenarmee von Osten und Samsonows Narewarmee von Süden im Vormarsch gegen die schwache dt. 8. Armee begriffen. Nach einer unentschiedenen Schlacht bei Gumbinnen gegen Rennenkampf entschließt sich Generaloberst von Prittwitz zum Rückzug der deutschen Kräfte hinter die Weichsel. Er wird daraufhin abgelöst und durch Generaloberst von Hindenburg ersetzt, dem Generalmajor Ludendorff als Stabschef beisteht.. Durch Funkaufklärung, begünstigt durch die Passivität Rennenkampfs, können die beiden das Wagnis eingehen, nur 1 Division vor Rennenkampfs Armee zu belassen und mit der Masse ihrer Armee Samsonow bei Tannenberg eine entscheidende Niederlage zu bereiten.
Währenddessen gehen in Galizien die K.u.K.-Armeen und die russische Südwestfront fast gleichzeitig zur Offensive über: 48 K.u.K.-Divisionen stoßen hier auf 66 russische Divisionen. Die Österreicher werden schwer geschlagen und verlieren über 250.000 Tote und Verwundete sowie über 100.000 Gefangene. Die Russen verlieren etwa 250.000 Mann.
Nach dem Eintreffen von 2 deutschen Armeekorps aus dem Westen greift die deutsche 8. Armee am 8.September auch Rennenkampfs Njemenarmee an und schlägt sie empfindlich. Danach müssen die Deutschen ihren Schwerpunkt nach Süden verlagern, um den schwankenden österreichischen Verbündeten zu stützen. In Schlesien wird die 9. deutsche Armee gebildet, die am 28.September eine Entlastungsoffensive in Richtung Warschau beginnt. Dicht vor Warschau angekommen, stellt sich dies als ein Stich ins Wespennest heraus: Im Raum Warschau sind über 60 russische Divisionen massiert, denen die Mittelmächte nun mit 23 Divisionen gegenüber stehen. Bis Ende Oktober müssen sich die Verbände der Mittelmächte in nervenaufreibenden Rückzugsgefechten um 150 km bis zur Reichsgrenze zurückziehen. Durch die Zerstörung aller Kommunikationen gelingt es, dem russischen Vormarsch dort Einhalt zu gebieten. Aufgrund des Vormarsches des russischen Zentrums bietet sich den Deutschen nun eine einmalige, eine goldene Gelegenheit: durch den russischen Vormarsch des Zentrums ist die Verbindung zu den Kräften vor Ostpreußen nahezu angerissen, ein deutscher Vorstoß von Ostpreußen in den Rücken des russischen Zentrums ist möglich. Dazu braucht Ober-Ost etwa 12 Divisionen Verstärkung aus dem Westen, um auf eine Angriffsmasse von 28 Divisionen zu kommen. Diese Kräfte stehen zur Verfügung, werden jedoch von Falkenhayn in den Glutofen der 2. Flandernschlacht geworfen. So scheitert auch diese Offensive an unzureichenden Kräften. Danach erstarrt auch die Ostfront im Schützengrabenkrieg.,
Der Balkan
Hier bietet Österreich-Ungarn 462.000 Mann gegen Serbien auf. Am 12. August beginnt die österreichische Offensive gegen Serbien, die jedoch nach 8 Tagen ohne nennenswerte Gewinne stecken bleibt. Auch eine zweite Offensive am 8. September und eine dritte am 6. November bleiben nach wenigen Tagen stecken. Zwar gelingt es kurzfristig Belgrad zu nehmen, dies geht jedoch durch eine serbische Gegenoffensive verloren. Gegen Weihnachten flauen die Kämpfe hier ab.
Sonstige Ereignisse
Am 26.August läuft der kleine Kreuzer Magdeburg im dichten Nebel vor der estnischen Nordküste auf Grund. Die Signalbücher zur Verschlüsselung des Funkverkehrs wurden nicht vernichtet, und daher wurden von den Russen eines auf dem Meeresgrund gefunden und zwei weitere an Bord. Am 13. Oktober wurde eines dieser Bücher den Briten übergeben, die daraufhin alle Marinefunksprüche der Deutschen dank der Arbeit des Entschlüsselungsdienstes der britischen Admiralität, untergebracht in Raum 40, was der Abteilung den Namen Room 40 gab, mitlesen konnten, was ein sehr wichtiger strategischer und taktischer Vorteil werden sollte. 1914 gelangten die Briten in den Besitz eines deutschen diplomatischen Verschlüsselungscode in Persien. Die Deutschen Telegrafenkabel in die USA wurden von den Briten anfangs des Krieges gekappt, und andere von den Deutschen genutzte ausländische Kabel wurden illegal angezapft. Das Zimmermann-Telegramm wurde am 17. Januar 1917 aufgezeichnet, welches Mexiko zum Krieg gegen die USA anstacheln sollte, konnte entschlüsselt und den USA zukommen gelassen werden, ohne Room 40 dabei zu enttarnen, und dies führte zum Kriegseintritt der USA am 6.April 1917 und damit zur Kriegsentscheidung.
Am 22. September gelingt es U-9 drei britische Kreuzer in der Nordsee zu versenken. Am 1. November gelingt es Graf von Spee, der das deutsche Ostasiengeschwader kommandiert, zwei britische Kreuzer vor der Küste Chiles bei Coronel zu versenken. Am 8. September stößt Graf Spee jedoch bei den Falklandinseln auf eine überlegene britische Streitmacht, die 4 der 5 deutschen Kreuzer versenkt. Der 5. Kreuzer, die „Dresden“, wird 3 Monate später bei den Juan-Fernandez-Inseln versenkt. Insgesamt bleibt die Royal Navy der deutschen Hochseeflotte im Verhältnis 3:2 überlegen.
Die Rolle der Flieger beschränkt sich zur Zeit noch überwiegend auf die Aufklärung. Es werden jedoch bereits die ersten Bomben abgeworfen, und auch die ersten Luftkämpfe mit Gewehren, Handgranaten und Ziegelsteinen finden statt.
Das türkische Heer befindet sich zu Beginn des Krieges in einem desolaten Zustand, und ist in Sachen Munition und Ausrüstung voll und ganz auf seine Verbündeten angewiesen. Für die Türkei entstehen folgende Kriegsschauplätze: Dardanellen, Kaukasus , Palästina und Mesopotamien. Im Kaukasus erleiden die Türken durch eine von ihnen unternommene Winteroffensive schwere Verluste: fast 80.000 Mann erfrieren oder verhungern. Am 7. November landet ein britisches Expeditionskorps in Kuwait, um die lebenswichtigen Ölquellen zu sichern.
Die meisten deutschen Kolonien gehen im Zeitraum vom 26.8. 1914 bis zum 18.2.1916 verloren. Einzige Ausnahme ist Deutsch-Ostafrika, wo Paul von Lettow-Vorbeck bis Kriegsende erfolgreich Widerstand leistet. Mit nur 3.000 Deutschen und 12.000 Askaris bindet er hier 130.000 Mann Commonwealth-Truppen.
VI. Die Westfront 1915
Zu Beginn des Jahres 1915 stehen im Westen den 1,7 Millionen Mann deutscher Truppen etwa 2,4 Millionen Mann alliierter Truppen gegenüber. Angesichts dieses Kräfteverhältnisses plant Falkenhayn für 1915 keine Entscheidung suchende Offensive. General Joffre, der französische Oberbefehlshaber, möchte in diesem Jahr zumindest die verloren gegangenen französischen Gebiete zurückerobern.
So befiehlt er am 16.Februar die Offensive in der Champagne wieder auf zunehmen. Nach Gewinn eines Geländestreifens von 2 x 8 km und einem Verlust von 240.000 Mann in der gesamten Winterschlacht muss er die Offensive jedoch einstellen.
Deutsche Verluste: 45.000 Mann. Am 10.März scheitert eine britische Offensive bei Lille ebenfalls unter hohen Verlusten.
Im Kriegsrat in Chantilly am 29.März einigen sich Joffre und der brit. Befehlsheber French nun auf eine gemeinsame Großoffensive im Mai bei Arras, Falkenhayn, der unbedingt Ypern einnehme will, entschließt sich hierzu zum ersten mal im großen Umfang Giftgas einzusetzen. So beginnt ein deutscher Angriff bei Ypern am 22.April mit einem Chlorgasangriff auf 6 km Breite.
Die ungeschützten alliierten Truppen verlieren dadurch 15.000 Mann. Den Deutschen gelingt ein Durchbruch, sie sind jedoch selber von der Wirkung ihrer neuen Waffe überrascht und versäumen es, die günstige Situation rasch auszunutzen. So bleiben weitere Angriffe nach Herbeiführung von alliierten Reserven stecken. Ypern wird nicht genommen. Der Einsatz dieser völkerrechtswidrigen Waffe führt zu einer Verschärfung der Kriegsführung und neuen Schrecken für die Soldaten, aber zu keiner Entscheidung. .
Am 9. Mai 1915 beginnt die alliierte Offensive bei Arras. Dem Angriff geht eine 5-tägige Artillerievorbereitung voraus. Bis zum 16. Juni haben die Alliierten es geschafft, einen Streifen von 1,9 x 5,5 km zu erobern. Der Preis: rund 132.000 Mann. Trotz der bisherigen Misserfolge beschließen die Alliierten auf einer neuen Konferenz in Chantilly am 7. Juli eine neue Offensive bei Arras und in der Champagne.
Für diesen Angriff stehen den Alliierten mittlerweile 150 Divisionen mit 2,9 Millionen Mann zur Verfügung, während die Deutschen 100 Divisionen mit 1,9 Millionen Mann zur Verfügung haben. Am Morgen des 25. September beginnt die alliierte Offensive gleichzeitig im Artois und in der Champagne. Die Kämpfe ziehen sich bis zum 1. November hin, jedoch erneut gelingt kein Durchbruch. Die Alliierten verlieren 250.000 Mann, die Deutschen 150.000 Mann. Danach flauen die Kämpfe bis Weihnachten weitgehend ab. Die Alliierten Offensiven scheitern aus mehreren Gründen: durch die tagelange Artillerievorbereitung verspielen sie das Überraschungsmoment,, außerdem haben sie einen Mangel an schweren Steilfeuergeschützen. Es gelingt ihnen nicht ,das deutsche Verteidigungssystem in seiner ganzen Tiefe zu erfassen.
Dennoch kommt es auf deutscher Seite immer wieder zu bedrohlichen Krisen, da Falkenhayn nicht 1 m Boden freiwillig aufgeben will. Er positioniert die Masse der deutschen Kräfte in der 1. Linie, die dadurch von Anfang an im Wirkungsbereich der alliierten Artillerie liegen und dadurch unnötig schwere Verluste erleiden. Des Weiteren führt diese Praxis zu einem Mangel an Reserven in der Tiefe. So schleppt sich die deutsche Abwehr von einer Krise zur nächsten.
Die Ostfront
Die Hauptanstrengungen der Mittelmächte liegen 1915 auf dem östlichen Kriegsschauplatz, da man hofft, hier zu einem Seperatfrieden mit Russland zu kommen. So beginnen die Mittelmächte am 23.Januar eine Offensive mit 20 Divisionen aus den Karpaten in Richtung Przemysl, um diese belagerte Festung zu entsetzen. Kurze Zeit später, am 8.Februar, beginnt eine deutsche Offensive an den Masurischen Seen, die mit der Zerschlagung der 10. Russ. Armee endet. Die Deutschen machen 95.000 Gefangene. Im Süden gelingt es den Mittelmächten nicht Przemysl zu entsetzen: 120.000 Mann K.u.K.-Truppen gehen in Gefangenschaft.
Weitere 500.000 Mann sind bei dem Entsatzversuch getötet, verwundet oder gefangen worden. So stehen im April 1915 etwa 1,3 Millionen Mann der Mittelmächte gegen 1,8 Millionen Russen. Dennoch gelingt den Mittelmächten am 2.Mai eine erfolgreiche Offensive bei Gorlice-Tarnow. Die Russen werden 100 km zurückgeworfen. Durch weitere Angriffe können die Mittelmächte bis zum 3.Juni die Festung Przemysl zurückerobern und erreichen den San. Durch weitere Offensiven gelingt am 5. August die Einnahme Warschaus. Russische Gegenangriffe gegen Ende des Jahres scheitern. Die Kampfmoral der russischen Streitkräfte hat durch die wiederholten Niederlagen schwer gelitten. Die Mittelmächte haben im Verlauf ihrer Offensiven fast 1 Million russische Gefangene gemacht. Des Weiteren führen die Rückschläge zu inneren Unruhen in Russland.
Der Balkan
Schon zu Beginn des Jahres 1915 planen die Mittelmächte eine erneute Offensive gegen Serbien. Aufgrund der angespannten Lage an der West- und Ostfront können sie jedoch erst im Oktober genügend Kräfte bereitstellen Bulgarien, das von beiden Seiten heftig umworben wurde, ist am 14.10.1915 auf Seiten der Mittelmächte dem Krieg beigetreten. Einen Monat vorher haben die Alliierten unter Verletzung der griechischen Neutralität ein Expeditionskorps, die so genannte „Orientarmee“, bei Saloniki gelandet. Am 7.Oktober eröffnen die Mittelmächte ihre lang vorbereitete Offensive gegen Serbien. Bis Ende November ist Serbien geschlagen und das Land besetzt. Entlastungsversuche der alliierten Orientarmee schlagen fehl.
Die italienische Front
Durch großzügige territoriale Zusagen an Italien auf Kosten Österreich-Ungarns gelingt es der Entente, Italien am 23. Mai zum Kriegseintritt auf Seiten der Entente zu bewegen. Vorläufig erklärt Italien jedoch nur Österreich Ungarn den Krieg. Diese neue Front führt zu einer weiteren Verschärfung der Lage der Mittelmächte. Nach und nach werden hier bis zu 800.000 Mann der besten K.u.K.-Truppen gebunden.
Der italienische Oberbefehlshaber Cadorna verfügt etwa über 1 Million Mann. Seine Bemühungen richten sich zunächst ausschließlich auf den Durchbruch in den Julischen Alpen und die Einnahme von Triest. Zu diesem Zweck führt er in diesem Jahr 4 Großoffensiven an dieser so genannten Isonzo-Front durch. Alle 4 scheitern unter schweren Verlusten.
Der türkische Kriegsschauplatz
Auf Anregung des 1. Lords der Admiralität, Winston Churchill, unternehmen die Alliierten im Februar 1915 einen Flottenvorstoß mit anschließenden amphibischen Landungen bei den Dardanellen. Ziel ist die Einnahme der Meerenge und die Herstellung einer direkten Verbindung zu Russland zur Lieferung von Kriegsmaterial. Mittlerweile sind die Dardanellen jedoch mit deutscher Hilfe schwer befestigt, und so endet diese Offensive mit schweren Verlusten der alliierten See- und Landstreitkräfte. Nach zähen Kämpfen entschließen sich die Alliierten im Dezember 1915 zur Räumung ihres Brückenkopfes. Sie haben 145.000 Mann verloren, die Türken fast 250.000 Mann.
Der Seekrieg 1915
Am 23. Januar unternimmt ein Teil der deutschen Hochseeflotte einen Vorstoß zur Doggerbank, um dort patrouillierende leichte englische Aufklärungskräfte zu vernichten. Da die Briten jedoch den deutschen Marinecode geknackt haben, stoßen die Deutschen dort auf überlegene britische Kräfte. Die Deutschen verlieren 1 Panzerkreuzer, der Rest kann entkommen. Am 4.Februar erklärt Deutschland die britischen Gewässer zum Kriegsgebiet. Alle Schiffe können hier nun warnungslos angegriffen werden. Dies empört viele Neutrale. Mit wenigen Ausnahmen halten sich die deutschen U-Boote sich aber noch an die Prisenordnung.
7.Mai 1915. In Sichtweite der irischen Küste sichtet U 20 den britischen Luxusliner „Lusitania“. Um 15 Uhr 10 trifft 1 Torpedo von U 20 die „Lusitania“ auf der Steuerbordseite dich hinter der Brücke. Binnen 18 Minuten sinkt das Schiff. Unter den 1257 Passagieren sind auch 218 Amerikaner. Als die „Lusitania“ sinkt, reißt sie 1198 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter 124 Amerikaner, mit sich in die Tiefe. Dieser Vorfall empört die amerikanische Öffentlichkeit aufs tiefste und ist mit ein Auslöser für den Kriegseintritt der USA 2 Jahre später. Jedoch hätte die Katastrophe durchaus vermieden werden können. Dem Torpedotreffer folgte eine zweite starke Explosion, deren Ursache bis heute nicht geklärt ist, was das Leck vergrösserte, ausserdem schmuggelte das Schiff völkerrechtswidrig Munition in geheimen Kammern. Der Angriff war somit legitim.
Zudem war die Position von U 20 der britischen Admiralität bekannt. Das Schiff wäre auf seinem ursprünglichen Kurs nie in die Nähe von U 20 gekommen. Captain Turner, der Skipper der „Lusitania“, erhält Befehl das irische Queenstown anzulaufen. Die britischen Eskortschiffe in diesem Seegebiet werden auf Anweisung der Admiralität abgezogen. Die Freigabe der ungefährdeten Nord-Route nach Liverpool wird Captain Turner verschwiegen. So fährt der Luxus-Liner am 7. Mai direkt vor die Rohre von U 20.
Zufall? Man wird es nicht beweisen können, da die britischen Akten über diesen Vorfall noch heute im Navy Intelligence Department in Bath unter Verschluss liegen. Jedenfalls war jeder tote Amerikaner für die Alliierten außerordentlich wertvoll.
Der Luftkrieg 1915
Der Luftkrieg erfährt im Jahre 1915 eine revolutionäre Neuerung: ein französischer Pilot, Roland Garros, rüstet seine Morane mit einem durch den Propellerkreis schießenden Maschinengewehr aus. Um eine Beschädigung des Propellers zu vermeiden, montiert er Stahlplatten zum Ablenken der Geschosse an den Propeller. So gelingt es ihm in wenigen Wochen 6 deutsche Flugzeuge abzuschießen, und zum ersten mal in der Geschichte kommt eine Seite in den Besitz der Luftüberlegenheit. Die deutschen Aufklärer werden nach und nach vom Himmel vertrieben. Am 18. April wird jedoch Garros vom Boden abgeschossen. Die Morane fällt in deutsche Hände, und das Geheimnis ist gelüftet. Kurz darauf gelingt es den deutschen Fokkerwerken, einen Synchronistionsmechnismus zu entwickeln, so dass das MG nur schießt, wenn der Propeller nicht gefährdet ist. Mit dieser Entwicklung reißen die Deutschen für die 2. Jahreshälfte die Luftüberlegenheit wieder an sich. Boelcke (40 Abschüsse) und Immelmann (17 Abschüsse) werden die ersten deutschen Fliegerhelden. Gleichzeitig beginnt mit deutschen Zeppelinangriffen auf militärische Ziele in Paris und London das Zeitalter des strategischen Bombenkrieges.
VII. Die Westfront 1916
Für das Jahr 1916 will Falkenhayn den deutschen Schwerpunkt wieder nach Westen verlegen, um hier die Kriegsentscheidung zu erzwingen. Da die deutschen Reserven nicht für einen Massendurchbruch mit anschließendem Bewegungskrieg und Vernichtung des alliierten Heeres ausreichen, entwickelt er die „Ausblutungstheorie“. Er glaubt, durch eine begrenzte Offensive mit geringem Infanterieeinsatz und starker Artillerie, dem französischen Heer Verluste im Verhältnis 3:1 beibringen zu können. Als Schauplatz dieser Offensive wählt er Verdun. Zwar ist das deutsche Heer auf dem Sektor schwerer Artillerie noch überlegen, dennoch ist der Gedanke durch ständige kleine Angriffe eine solche Ausblutung angesichts der gewaltigen materiellen und personellen Überlegenheit der Alliierten zu erzielen, völlig unrealistisch. Zudem ist die Führung der 5. deutschen Armee, die diesen Angriff durchführen soll, von dem Konzept einer Ausblutungsschlacht nicht überzeugt. So behindern sich die Oberste Heeresleitung und die 5. Armee gegenseitig in der Durchführung ihrer divergierenden Absichten.
Die deutschen Offensive beginnt am 21.Februar mit starkem Artillerie- und geringem Infanterieeinsatz. In den folgenden Tagen kommt es auf französischen Seite immer wieder zu Krisen, aber getreu dem Konzept, französischen Truppen heranzulocken und zu zermürben, forcieren die Deutschen ihren Vorstoß nicht. So ziehen sich die deutschen Angriffe bis in den Juni hin, und durch das Prestige, dass die Franzosen der Schlacht beimessen, fühlt sich auch Falkenhayn gezwungen, immer neue Truppen in die „Hölle von Verdun“ zu werfen, selbst als sich seine Ausblutungstheorie als Hirngespinst herausgestellt hat. Durch die Offensive der Alliierten an der Somme im Juli, die Brussilow-Offensive an der Ostfront und den Kriegseintritt Rumäniens im August werden die deutschen Kräfte anderswo benötigt, und so lassen die deutschen Aktivitäten bei Verdun zunehmend nach. Durch französische Gegenangriffe im Oktober und November geht das gesamte mühsam eroberte Festungsgelände wieder verloren. Deutsche Verluste: Ca. 150.000 Gefallene, ca. 187.000 Verwundete. Französische Verluste: Ca.167.000 Gefallene, ca. 210.000 Verwundete. Des weiteren führt der deutsche Fehlschlag am 29. August zur Entlassung Falkenhayns. An seine Stelle treten Hindenburg und Ludendorff.
Die Alliierten wollen mit ihrer Offensive an der Somme die deutsche Front nun nicht mehr in einem Zuge, sondern Schritt für Schritt nach jeweils gewaltiger Artillerievorbereitung durchbrechen. So beginnt die Offensive am 24. Juni mit einer 7-tägigen Artillerievorbereitung. Am 1. Juli beginnt der Infanterieangriff. Die Franzosen gewinnen südlich der Somme etwas Boden, aber die Briten müssen ihren Geländegewinn von ein paar hundert Metern mit dem höchsten Tagesverlust dieses Krieges bezahlen: 20.000 Tote, 40.000 Verwundete. Nach diesem Fiasko löst sich die Schlacht in zahlreiche Angriffe und Gegenangriffe auf und zieht sich bis in den November hin. Am 15. September werden auch erstmalig Panzer eingesetzt: 49 britische Tanks greifen die deutschen Stellungen bei Flers an. Zwar fallen allein 35 durch technische Defekte aus, dennoch erzeugte dieser Einsatz große moralische Wirkung. Man beschließt demnächst Tanks in großem Umfang einzusetzen. Als die Sommeschlacht im November beendet wird, haben die Alliierten ein Trichterfeld von 40 km Breite und 12 km Tiefe besetzt, aber keinen Durchbruch errungen. Der Preis: 555.000 britische Ausfälle, 200.000 französische und 500.000 auf deutscher Seite.
Die Ostfront
An der Ostfront verhalten sich die Mittelmächte das ganze Jahr 1916 über defensiv. Die Russen hingegen, bei denen mittlerweile Zar Nikolaus II. persönlich das Kommando übernommen hat, streben durch groß angelegte Offensiven die Rückgewinnung des polnischen Raumes und Galiziens an. Zwischen dem 1. und 5. Januar greifen die Russen bei Czernowitz an. Kein Durchbruch, aber 76.000 Mann Verlust. Ein weiterer Angriff bei Czernowitz am 19. Januar scheitert ebenfalls: 21.000 Mann gehen verloren. Am 18. März 1916 beginnt eine große russischen Offensive im Norden der Ostfront am Narocz-See. Nach 10 Tagen geben die Russen diesen Durchbruchsversuch auf: sie haben 140.000 Mann verloren. Danach stellen die Russen bis Mitte des Jahres alle größeren Angriffe ein, um ihre Kräfte für die große alliierte Sommeroffensive zu schonen und alliierte Hilfslieferungen abzuwarten. So verfügt Stawka schon wieder im Mai über 152 Infanteriedivisionen und 47 Kavalleriedivisionen mit 1,9 Millionen Mann. Dem können die Mittelmächte 1,1 Millionen Mann entgegenstellen. Am 4. Juni eröffnet die russische Südwestfront ihre Offensive gegen die Kaiserlichen und Königlichen Armeen. Binnen 3 Tagen dringen die Russen auf 80 km Breite bis zu 30 km vor und fügen den österreichischen Armeen schwere Verluste zu. Die Angriffe der russischen Westfront im deutschen Abschnitt scheitern jedoch. Daraufhin verlegt Stawka den Schwerpunkt seiner Offensive endgültig nach Süden und erneuert seine Offensive. Inzwischen sind jedoch dt. Verstärkungen in diesen Abschnitt verlegt worden. So scheitern weitere Angriffe und diese als Brussilowoffensive bekannte Operation klingt im August aus. Das K.u.K.-Heer hat 614.000 Mann verloren, die russischen Verluste sind noch schwerer.
Für den Rest des Jahres kommt es nur noch zu örtlichen Kämpfen.
Der Balkan
Anfang des Jahres besetzten die Mittelmächte neben Serbien nun auch Albanien. (Montenegro). Der italienischen Marine gelingt es, Teile der zerschlagenen serbischen und montenegrinischen Truppen zu evakuieren. Die alliierte Orientarmee in Griechenland verhält sich zunächst noch passiv. Am 20. August 1916 beginnt die 460.000 Mann starke Orientarmee mit Angriffen gegen die Truppen der Mittelmächte in Bulgarien und Serbien. Es kommt zu wechselvollen Kämpfen, aber kaum zu Geländegewinnen. Da erklärt Rumänien am 27.August überraschend Österreich-Ungarn den Krieg und marschiert in Siebenbürgen ein. Schon im September muss die 816.000 Mann starke rumänische Armee Rückschläge gegen die Bulgaren hinnehmen, und nach dem Heranrollen von deutschen und österreichischen Verstärkungen beginnen die Mittelmächte Ende September eine schwungvolle Gegenoffensive.
Am 6. Dezember fällt Bukarest, und es fallen in diesem Feldzug den Mittelmächten die Ölfelder von Ploesti in die Hand. Diese Eroberung ist von entscheidender Wichtigkeit für die Fortsetzung des Krieges.
Die italienische Front
Am 11.März beginnt General Luigi Cadorna die 5. Isonzoschlacht.Am 16. März wird der Durchbruchsversuch eingestellt. Am 14. Mai beginnt eine österreichische Offensive in Südtirol. Sie nehmen Asiago und Arsiero. Am 6. August beginnen die Italiener die 6. Isonzoschlacht. Nach Einnahme von Görz brechen die Italiener den Angriff ab. Bis zum Ende des Jahres greift Cadorna noch dreimal am Isonzo an, es gelingt ihm aber kein Durchbruch.
Der Seekrieg
Die deutsche Seekriegsleitung plant für 1916 endlich in die Offensive zu gehen. Durch massive Ausfälle gegen den britischen Blockadering glaubt man den Briten schwere Verluste zufügen zu können. Am 31. Mai 1916 läuft die deutsche Hochseeflotte mit 99 Schiffen aus, darunter 21 moderne Großkampfschiffe. Da die Briten jedoch den deutschen Code gebrochen haben, weiß Admiral Jellicoe , der Befehlshaber der Homefleet, von diesem Vorhaben, und plant den Deutschen mit überlegenen Kräften aufzulauern. So stoßen die Deutschen am Abend auf 159 britische Schiffe, davon 35 Großkampfschiffe. Durch geschicktes Manövrieren gelingt es Admiral Scheer einer Umklammerung zu entgehen, und nach heftigen Kampf verlieren beide Flotten in der Nacht die Fühlung und ziehen sich zurück. Obwohl die britischen Verluste erheblich schwerer sind als die deutschen, scheint klar, dass ein Sieg in offener Seeschlacht nicht möglich ist. Die deutsche Flotte läuft für den Rest des Krieges kaum noch aus. Diese Schlacht am Skagerrak ist die größte Seeschlacht der Geschichte.
VIII. Die Westfront 1917
Für das Jahr 1917 planen die Deutschen im Westen defensiv zu bleiben, da sie auf einen baldigen Zusammenbruch Russlands hoffen. Um der das für das Jahr 1917 erwarteten Großoffensive zu begegnen, werden die deutschen Divisionen von 4 auf 3 Regimenter verkleinert, um so neue operative Verbände zu schaffen. Der Verlust an Kopfzahl der Divisionen soll durch eine Erhöhung der Feuerkraft ausgeglichen werden.. Durch das so genannte Hindenburg-Programm gelingt es der deutsche Industrie, den Ausstoß an Waffen und Munition bedeutend zu erhöhen. Außerdem ziehe sich die Deutschen an der Sommefront am 4. Februar freiwillig auf sie so genannte „Siegfriedlinie" zurück, die wesentlich besser zu verteidigen ist. Dadurch bringen sie die alliierten Operationsplaene für 1917 durcheinander. Briten und Franzosen planen für den April massive Angriffe bei Arras, an der Aisne und in der Champagne. Am 9. April greifen die Briten bei Arras an. Sie gewinnen 18 x 6 km Boden, aber keinen Durchbruch. Verluste: 142.000 Briten, 85.000 Deutsche. Noch schlechter verläuft der französische Angriff am 16. April. Der neue französische Befehlshaber Nivelle, der „das Geheimnis des Sieges“ kennt, glaubt aufgrund seines Sieges gegen völlig erschöpfte deutsche Truppen bei Verdun im November 1916, die deutschen Stellungen mit Leichtigkeit durchbrechen zu können. Binnen 2 Tagen bricht die Offensive unter schwersten Verlusten zusammen. Daraufhin kommt es im Mai 1917 zu Meutereien in 54 französische Divisionen. Nur mühsam kann die Ordnung wiederhergestellt werden. Nivelle wird durch Petain ersetzt.
Nach dem Scheitern der Frühjahresoffensive glaubt der Befehlshaber der B.E.F., Sir Douglas Haig, nun wieder nur durch eine Zermürbungsschlacht den Durchbruch zu erringen. Von Mai bis Oktober greift er immer wieder in Flandern an. Dabei erreicht der Minier-Krieg im Wytschaete-Bogen am 7. Juni einen Höhepunkt. Die Briten sprengen mit 19 Stollen die ganze 3. bayerische Division in die Luft. Insgesamt gewinnen die Briten 22 x 8 km . Britische Verluste:332.000 Mann, Deutsche Verluste: 217.000 Mann. Munitionseinsatz der britischen Artillerie: 50 Millionen Granaten. Der letzte große Angriff des Jahres 1917 findet bei Cambrai statt: 440 Tanks und 8 Infanteriedivisionen greifen am 20. November überraschend die deutschen Stellungen an und erzielen einen tiefen Einbruch. Mangelnder Kräfteansatz und schnelle deutsche Gegenmaßnahmen können diesen jedoch abriegeln. Für den Rest des Jahres kehrt Ruhe an der Westfront ein.
Die Ostfront
An der Ostfront hat die Moral des russischen Heeres 1917 einen Tiefpunkt erreicht. Allein 1916 sind 1,5 Millionen Mann desertiert. Angesichts der Unruhe im Volk wird der Zar von liberalen Kräften bedrängt, dringend nötige Reformen durchzuführen. Dies wird jedoch vom Zaren kategorisch abgelehnt. Im März 1917 geschieht es zum ersten Mal, dass eine Demonstration in Petrograd nicht von Soldaten zerstreut wird, sondern die Soldaten sich mit den Demonstranten verbrüdern. Die Deutschen wollen sich die Unruhe zunutzen machen und schmuggeln Wladimir Iljitsch Lenin aus seinem schweizer Exil nach Petrograd, um den Aufstand zu schüren.
Im Juli 1917 tritt die russischen Südwestfront erneut zu einer Offensive an, die jedoch fehlschlägt. Eine Gegenoffensive der Mittelmächte wirft die Russen weit zurück. Es kommt erneut zu Massendemonstrationen. In Petrograd stehen sich die revolutionären Bolschewiki und die liberal-monarchistischen Kräfte der Regierung gegenüber. Noch können sich die letzteren halten, und Lenin muss nach Finnland fliehen. Erfolgreiche deutsche Offensiven im August und September sowie die Besetzung der Inseln Dagö und Moon im Rigaischen Meerbusen im Oktober verschärfen die Spannungen jedoch wieder. Am 7. November kehrt Lenin nach Petrograd zurück, um einen bolschewistischen Aufstand anzuzetteln. Dieser hat Erfolg, die Regierung wird gestürzt, und die Bolschewiki übernehmen die Macht. Am 15. Dezember schließen Vertreter der neuen Regierung Russlands und der Mittelmächte einen Waffenstillstand in Brest-Litowsk.
Der Balkan
Von Februar bis Mai kommt es in Mazedonien zu heftigen Kämpfen zwischen der Orientarmee und Verbänden der Mittelmächte. Dies führt jedoch zu keinen größeren Frontverschiebungen. Am 1. Juli tritt Griechenland auf Seiten der Entente in den Krieg ein. Dennoch schlagen weitere Angriffe der Orientarmee im Oktober und November fehl.
Die italienische Front
Am 12. Mai 1917 erteilt General Cadorna den Befehl zur Eröffnung der 10. Isonzoschlacht. Sie führt jedoch nicht zum Durchbruch. Darum beginnen die Italiener am 18. August die 11. Isonzoschlacht. Nach Gewinn von 6 km müssen sie auch diesen Angriff aufgeben. Zur Entlastung der Isonzofront beschließen die Mittelmächte nun selbst eine Offensive. 7 deutsche und 8 österreichische Divisionen marschieren zwischen Flitsch und Tolmein auf. Die Offensive beginnt am 24. Oktober 1917. Bis Mitte November werden die Italiener bis an die Piave zurückgeworfen. Die Mittelmächte machen 260.000 Gefangene und erobern 3.000 Geschütze. Bis Ende des Jahres stabilisiert sich die Front an der Piave.
Der Seekrieg
Am 1. Februar 1917 entschließt sich Deutschland, trotz der Gefahr eines Kriegseintritts der USA, zum Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Man hofft dadurch Großbritannien binnen 6 Monaten auf die Knie zu zwingen. Dieser riskante Schritt, zusammen mit dem publik gewordenen deutsche Versuch, Mexiko zum Krieg gegen die USA anzustiften (Zimmermann-Telegramm), führen schließlich am 6. April zum Kriegseintritt der USA. Anfangs scheint es jedoch tatsächlich so, als könnten die U-Boote England die Zufuhren abwürgen. Bis Dezember 1917 können die U-Boote 9.000.000 BRT an Handelsschiffen versenken, und England spürt nach eigenem Bekunden das „ Messer an der Kehle“. Nach Einführung des Konvoisystems gehen die Versenkungen jedoch drastisch zurück, und das Wirtschaftspotential der USA gleicht die Verluste aus. Damit ist der U-Boot-Krieg gescheitert.
Der Krieg und die Innovation
Im Laufe des Krieges entwickeln sich Wissenschaft und Technik rasant fort. Den durch die Blockade betroffenen Mittelmächten gelingt es den Rohstoffmangel durch Entwicklung zahlreicher Ersatzstoffe zu überbrücken. Beide Seiten entwickeln immer gefährlichere Kampfgase. London wird mittlerweile nicht mehr durch Zeppeline bombardiert, sondern durch viermotorige Bomber, die bis zu 2 Tonnen Bomben tragen. Die Jagdflugzeuge sind überwiegend robuste Doppeldecker, die 200 km/h oder mehr erreichen und mit 2 synchronisierten MGs bewaffnet sind. Luftkämpfe mit hundert Flugzeugen oder mehr sind keine Seltenheit mehr. Die Alliierten entwickeln ständig verbesserte Tanks und stoßen sie in Massen aus. Die Deutschen bauen mittlerweile zwar auch Panzer, doch die überlastete Industrie kann nur geringe Stückzahlen herstellen. Das Fehlen von Panzern und einer wirksamen Panzerabwehr wird sich 1918 an der Westfront als verhängnisvoll erweisen.
Die Westfront 1918
Durch den Zusammenbruch Russlands sehen sich die Deutschen in der Lage 200 Divisionen im Westen zusammenzuziehen. Davon sind etwa 70 für Angriffsoperationen geeignet. Die Deutschen wollen die Briten und Franzosen schlagen, bevor die Amerikaner wirksam eingreifen können.
Die Deutschen sehen diese für den März geplante Operation als ihre letzte Chance den Krieg zu gewinnen. Realistisch betrachtet ist ein vollständiger militärischer Sieg angesichts der alliierten Übermacht allerdings nicht mehr zu erzielen. Eine erfolgreiche Offensive, kombiniert mit einer politischen Defensive, sprich dem Rücktritt von den allzu ehrgeizigen Kriegszielen, hätte vielleicht die Möglichkeit zu Friedensverhandlungen auf Basis des Status Quo von 1914 ermöglichen können. Dies findet jedoch nicht statt. So schreiten die deutschen Truppen zu ihrer letzten Schlacht.
Der Ansatzpunkt für die Offensive ist gut gewählt. An der französisch-britischen Nahtstelle bei La-Fere ist die alliierte Front unbegreiflicherweise besonders schwach. Eine operative Ausnutzung dieses Durchbruchs kann hier zur Trennung der Briten und Franzosen und zur Einkesselung der Briten mit dem Rücken zum Meer führen. Die deutsche Offensive lässt sich aufgrund neuer taktischer Grundsätze am 21. März denn auch gut an. Bis zum 5. April erlahmt die Offensive jedoch durch Heranführung alliierter Reserven, und eine fehlerhafte Verlagerung des Schwerpunkts. Zudem gelingt es der Royal Air Force die Luftüberlegenheit zu erringen. Die Deutschen sind auf 80 km Breite bis zu 65 km vorgestoßen, doch bis an die Küste kommen sie nicht. Deutsche Verluste:250.000 Mann. Britische Verluste: 240.000 Mann.
Ludendorff will sich aber das Scheitern der Frühjahrsoffensive aber nicht eingestehen. Bis in den Juni greift er immer wieder an, in Flandern, bei Soissons und am Chemin des Dames. Jedes mal gelingt der Durchbruch, und jedes Mal erlahmt die deutsche Kraft angesichts der Heranführung alliierter Reserven und Ermüdung der Angriffstruppen. So hat sich die deutsche Offensivkraft bis Juni 1918 endgültig erschöpft, während die Alliierten ihre Verluste leicht wettmachen können: Monat für Monat landen nun 250.000 Mann frischer, ausgeruhter amerikanischer Truppen in Frankreich. Am 18. Juli beginnen die Franzosen einen Gegenangriff bei Villers Cotterets mit 26 Divisionen, 400 Tanks und 1.100 Flugzeugen. Die Deutschen müssen sich hinter die Aisne zurückziehen. Am 8. August greifen die Alliierten zwischen Albert und Montdidier mit 32 Divisionen, 3.000 Geschützen, 430 Tanks und 1.900 Flugzeugen an. 16 deutsche Divisionen werden aufgerieben, 53.000 Mann gehen in Gefangenschaft. General Ludendorff bezeichnet dies als „den schwarzen Tag“ des deutschen Heeres. Am 4. September befinden sich die deutschen Truppen wieder in ihren Ausgangsstellungen. Nun greifen auch die Amerikaner bei Verdun und die Briten in Flandern mit weit überlegenen Kräften an. Dennoch gelingt es General Foch, der mittlerweile zum alliierten Oberbefehlshaber ernannt wurde nicht, die Deutschen zu vernichten. Bis Anfang November müssen sie sich bis in die Antwerpen-Maas-Stellung zurückziehen, es gelingt ihnen jedoch, den Zusammenhalt zu wahren. Schon im September muss sich die OHL jedoch eingestehen, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist. So kommt es am 11. November schließlich zum Waffenstillstand. An der Westfront schweigen die Waffen.
Die Ostfront
In Brest-Litowsk verhandeln die Vertreter der Mittelmächte und der Bolschewiki über den Frieden. Die russische Delegation ist aber nicht gewillt Deutschlands territoriale Forderungen zu erfüllen. So flammen am 18. Februar die Kämpfe wieder auf. Die Deutschen besetzen Kiew, Livland und Estland. So unterzeichnen die Russen am 3. März doch den Friedensvertrag. Währenddessen versinkt Russland im Bürgerkrieg zwischen Rotgardisten und zaristischen Weißgardisten. Dieser Krieg wird noch Jahre andauern. Der Zar und seine Familie, die von den Bolschewiki arrestiert sind, werden am 16. Juli 1918 ermordet. Mit dem Waffenstillstand im Westen müssen sich die Mittelmächte aus Russland zurückziehen.
Der Balkan
Aufgrund des deutschen Versuches im Westen die Entscheidung zu erzwingen, ist der Balkan nahezu völlig von deutschen Truppen entblößt. Die erschöpften Bulgaren und Österreicher können den alliierten Truppen nun nicht mehr standhalten. Eine Großoffensive der Orientarmee und anderer Truppen im September führt zu Rückzug bis an die Donau. Die nun isolierte Türkei schließt am 30. Oktober einen Waffenstillstand. Österreich gibt am 2. November auf.
Die italienische Front
Am 15. Juni unternehmen die Österreicher noch einmal eine Offensive an de Piavefront. Schlechtes Wetter jedoch zwingt zum Abbruch des Unternehmens. Am 23. Oktober unternehmen die Italiener eine Offensive, bleiben aber stecken. Doch erhalten die K.u.K.-Truppen Befehl sich bis an die Landesgrenze zurückzuziehen. So verläuft die Front wieder wie in den Jahren zuvor.
Der Seekrieg
Verbesserte Abwehrmaßnahmen machen den U-Booten das Leben schwer. Ein Befehl an die Hochseeflotte im Oktober, zum Angriff gegen die Home Fleet auszulaufen, führt zum Matrosenaufstand in Kiel.
Bilanz
Nach 4 Jahren Krieg kann kaum jemand fassen, dass nun Frieden sein soll. Die Verluste und Kosten des Krieges sind immens. Deutschland hatte 2.037.000 tote Soldaten zu beklagen, Russland 1.700.000, Frankreich 1.385.000, Österreich-Ungarn 1.200.000. Großbritannien 947.000, Italien 460.000, Serbien 360.000, die Türkei 325.000, Rumänien 250.000, die USA 115.000. Insgesamt sind ca. 10.000.000 Soldaten umgekommen, und über 20.000.000 wurden verwundet. Auch über 6 Millionen Zivilisten kommen um. Die Kriegskosten aller Länder beliefen sich auf etwa 956 Milliarden Goldmark. Drei große Monarchien sind zerbrochen. Deutschland und Russland werden von schweren inneren Unruhen erschüttert. Die Sieger handeln in Versailles ohne Beteiligung der Geschlagenen die Friedensbedingungen aus. Von den gemäßigten Vorstellungen des US-Präsidenten Wilson ist in ihnen wenig zu spüren.
Österreich-Ungarn zerfällt in seine Einzelteile.
Deutschland muss die alleinige Kriegsschuld anerkennen.
Die Kriegskosten aller Länder soll Deutschland allein tragen.
Deutschland verliert alle Kolonien.
Das Rheinland wird entmilitarisiert.
Elsass-Lothringen geht an Frankreich zurück.
Ostpreußen wird durch den Danziger Korridor vom Reich abgetrennt.
Deutschland darf nur ein Heer von 100.000 Mann behalten, ohne Panzer und schwere Artillerie.
Die Flotte wird auf 15.000 Mann und Schiffe bis 10.000 BRT beschränkt.
Als der französische Marschall Foch diese Bedingungen sieht sagt er: „Das ist kein Frieden. Das ist ein Waffenstillstand für 20 Jahre…“