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IV. Ausgangslage, Planung und Kräftevergleich
Im ersten Kriegsjahr stehen sich nun in Europa 2 Koalitionen gegenüber: auf der einen Seite die so genannten Mittelmächte, bestehend aus Deutschland, Österreich-Ungarn und später der Türkei, und die Entente, bestehend aus Russland, Frankreich, Großbritannien und seinem Commonwealth sowie Serbien und Belgien.
Damit ist die Entente den Mittelmächten von Anfang an zumindest nominell gewaltig überlegen: Die Staaten der Entente verfügen über eine Bevölkerung von mehr als 258 Millionen, und dies ohne Indien oder die afrikanischen Kolonien. Des Weiteren verfügen die Alliierten über eine viel größere Industriekapazität. Dazu kommt noch eine vielfach größere landwirtschaftliche Nutzfläche und große Vorkommen an strategischen Rohstoffen. Außerdem haben die Alliierten von Anfang an die Seeherrschaft, so dass auch die Hilfsquellen der übrigen Welt und vor allem der USA ihnen zur Verfügung stehen.
Demgegenüber sind die Staaten der Mittelmächte nur von 118 Millionen Menschen bevölkert. Deutschland verfügt als einziges Land der Mittelmächte über ein großes Industriepotential, das jedoch durch Rohstoffknappheit und die durch den zunehmenden Fronteinsatz bedingte Verknappung von Fachkräften zunehmend gehemmt wird. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass die britische Flotte von Anfang an eine Blockade beginnt, durch die Deutschland von der Masse seiner Zufuhren abgeschnitten wird ,und sich mehr und mehr von einer Hungersnot bedroht sieht.
Sowohl Deutschland als auch die Westalliierten haben einen sehr labilen Bündnispartner: zum einen Österreich-Ungarn aufgrund seines hohen Anteils an slawischer Bevölkerung, die zum Teil unverhohlen mit den Russen sympathisiert , und zum anderen Russland, das industriell unterentwickelt ist und von inneren Unruhen erschüttert wird.
Die großen potentiellen Vorteile der Alliierten kommen jedoch nur nach und nach zum Tragen. Der deutsche Generalstab hatte schon seit längerem die Möglichkeit eines 2 Frontenkrieges ins Auge gefasst. Es war offensichtlich, dass ein langer Krieg auf 2 Fronten unbedingt verhindert werden musste. Darum musste ein solcher Krieg von Anfang an mit einer Entscheidung suchenden Offensive beginnen, die auf einem der beiden Kriegsschauplätze ein schnelles Ende machte. Russland kam aufgrund seiner weiten Räume, der schlechten Infrastruktur und der Tatsache, dass man die Masse des russischen Heeres nicht von Anfang an fassen konnte, hierfür nicht in Frage. Darum hatte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen , Chef des Generalstabes von 1891 bis 1905, den nach ihm benannten Schlieffenplan entworfen. Dieser Plan sah vor, dass bei Kriegsbeginn die Masse des deutschen Heeres im Westen aufmarschieren sollte, während im Osten nur schwache Deckungskräfte belassen wurden. Während der linke Flügel des deutschen Westheeres mit relativ geringen Kräften sich im Elsass und Lothringen defensiv verhalten würde, sollte der starke rechte Flügel unter Umgehung der französischen Festungen in Belgien einmarschieren, von Norden nach Frankreich einfallen, Paris umfassen und das französische Heer gegen den deutschen linken Flügel und die Schweizer Grenze drücken und damit das französische Heer in einem gigantischen Cannae vernichten. Hierfür waren 6 Wochen vorgesehen. Man ging davon aus, dass die deutschen Kräfte sich im Osten so lange halten könnten, da man hoffte, das die Russen erst nach diesem Zeitfenster von 6 Wochen mit nennenswerten Kräften aufmarschieren könnten. Auch die Franzosen haben im Westen offensive Absichten. Ihr Plan No. 17 sieht die rasche Rückgewinnung von Elsass-Lothringen gleich bei Kriegsbeginn vor.