Beitragsseiten
Seite 6 von 23
III. Die Juli-Krise
Am 28. Juni 1914 ist der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, mit seiner Frau, Gräfin Sophie, zu Besuch in der bosnischen Stadt Sarajevo. Zweck des Besuches ist die Besichtigung der für den Juli in Bosnien geplanten großen Manöver der K.u.K.-Streitkräfte. Dies wissen auch die Serben. Durch den Geheimbund „Schwarze Hand“ ergehen Mordaufrufe an alle Serben. Ein junger bosnischer Serbe, Gavrilo Princip, entschließt sich , wie andere Serben auch zur Tat. Er hat von einem Oberst der serbischen Armee eine Pistole erhalten. Zwar hat die serbische Regierung nicht die Anweisung zu dem Anschlag gegeben, jedoch wissen viele Mitglieder der serbischen Regierung und des Militärs von dem geplanten Anschlag.
In der heißen Sonne des 28.Juni bewegen sich 4 Wagen durch die Straßen der festlich geschmückten Stadt. Aus dem zweiten Wagen winken der Erzherzog und seine Gemahlin der Menge von Zeit zu Zeit huldvoll zu, während sich die Fahrzeuge in Richtung Rathaus begeben. Da wird nahe der Cumuria-Brücke eine Bombe geworfen, die den Erzherzog zwar verfehlt, aber einige Leute aus seinem Gefolge verletzt. Am Rathaus angekommen verleiht der Erzherzog gegenüber dem Bürgermeister seiner Empörung Ausdruck. Danach entschließt er sich trotz der Gefahr eines zweiten Attentates zu einem Besuch der Verletzten im Krankenhaus.
Als die Wagen zum Wenden kurz anhalten müssen, da sie sich auf dem Weg zu Krankenhaus verfahren haben, fallen 2 Schüsse, einer trifft den Erzherzog, der andere seine Frau. Kurze Zeit später sind beide tot.
Als Europa von dieser Nachricht erfährt, glaubt zunächst niemand, dass dies der Anlass zum europäischen Krieg sein könnte. Doch in der allgemein angespannten Lage, in einer Atmosphäre von Misstrauen und gebunden durch ihre jeweiligen Bündnisverpflichtungen, spitzt sich die Lage in Europa verhängnisvoll zu. Kein Staat will zur Erhaltung des Friedens auf seine nationalen Ziele verzichten.
- Österreich-Ungarn hält an der übernationalen Kaiseridee fest.
- Serbien versucht eine großserbisches Reich zu verwirklichen.
- Russland fürchtet einen erneuten Misserfolg seiner Balkanpolitik und steht vor der Alternative Krieg oder Revolution im Inneren.
- Großbritannien schwankt zwischen Neutralität und Parteinahme.
- Frankreich betrachtet seine Allianz mit Russland als Druckmittel gegen Deutschland.
- Deutschland steht zu dem Bündnis mit Österreich-Ungarn, um damit eine zunehmende politische Isolierung zu vermeiden. Der deutsche Generalstab drängt für den Fall, dass ein Krieg nicht vermieden werden kann, auf den Ausbruch 1914, da jetzt die Vorraussetzungen zur Niederwerfung Frankreichs noch günstig seien.
- Sowohl Frankreich wie Deutschland wirken nicht mäßigend auf die Politik ihrer beiden Bündnispartner Russland und Österreich-Ungarn ein.